Was haben wir Fahrdienstleiter, Ihnen nur getan?

Obschon der EI-Regionalchef des Zentrums vor drei Jahren behauptete ab 2017 würde alles besser werden, kann ich seine Meinung leider nicht teilen. Die Informationen, die mir als SYPROLUX-Vizepräsidenten sowie im Gespräch mit meinen Fahrdienstleiter-Kollegen und -Kolleginnen zugetragen werden, sind alles andere als erfreulich.

Kurz nach seinem Amtsantritt hatte besagter Regionalchef versprochen sich für einen 5. Fahrdienstleiter (4 Fahrdienstleiter & 1 Koordinator) auf dem Hauptstellwerk Luxemburg einzusetzen. Leider sieht der Personalbestand des EI für 2019 nur 3 Fahrdienstleiter und einen Koordinator vor.

Auch wenn es einen Personalengpass gibt, so müssen die reellen Bedürfnisse jedenfalls in der Vorlage aufgelistet werden, um im Falle eines aufgefüllten Personalbestandes besetzt zu werden.
Dass der Chargé de Gestion es mit dem Aufstellen des Effektivs nicht so ernst nimmt, zeigen folgende Beispiele:

PdL

In der Vorlage für 2019 sind ja auf dem PDL 3 Fahrdienstleiter und 1 Koordinator vorgesehen.
Ab Juli 2018 wird der Koordinator abgeschafft und als 4. Fahrdienstleiter eingesetzt. Obwohl der Koordinator eine wertvolle Arbeit leistet, wird dieser bei Inbetriebnahme des neuen Stellwerkes Luxemburg einfach zwecks neuer Bereichsaufteilung geopfert. Diese Entscheidung kann nur jemand treffen, der von keiner Sachkenntnis getrübt ist und Effektivvorlagen, die von den Gewerkschaften akzeptiert wurden, einfach ignoriert.

Petingen

Ähnliches Missmanagement finden wir in der Vorlage für 2019 zum Stellwerk Petingen. Hier sind 2 Fahrdienstleiter und 1 „info-voyageurs“ vorgesehen. Ab Herbst 2018 wird es den Posten „info-voyageurs“ (AURIS) in Petingen nicht mehr geben, dieser soll in die BLZ verlegt werden. Wie steht es in diesem Zusammenhang mit einer Auswertung der Testphase des „AURIS“?

Und wieder wird um stillen Kämmerlein gemauschelt. Haben die Gewerkschaften kein Recht mehr auf Transparenz? Offener und ehrlicher Sozialdialog sieht anders aus!
Doch das Personalproblem wird gleich gelöst sein. Schließlich haben die Beamten der RH-Abteilung die Situation voll im Griff. Sie haben es doch wirklich geschafft 6 Fahrdienstleiter für die letzte Klasse zu rekrutieren. Ich kann mich noch an Klassen von 20-25 erinnern. Bei der Erfolgsquote der letzten Klassen wird am Ende vielleicht ein Fahrdienstleiter übrig bleiben. Sollte hingegen die jetzige Klasse der Fahrdienstleiter, die relativ vielversprechend ist, weiterhin von den Lokalmatadoren unter Druck gesetzt wird, kann das Resultat nur negativ ausfallen.

Inkompetenz kann man nicht mit ständigem Druck übertünchen. Autorität erzielt man nicht durch munteres „Zettel“ verteilen bzw. Aufbauschen von Disziplinarverfahren.
Doch steigt der Druck auf die Fahrdienstleiter ständig. Obwohl sie tagtäglich ihr Bestes geben, um die ständigen Problemsituationen zu meistern, wird ihre Arbeit von der Obrigkeit nicht respektiert. Jeder weiß, dass die Zahl der Züge die Kapazität unseres Netzes übersteigt. Am Knotenpunkt HBF Luxemburg verlangt jede noch so kleine Schwierigkeit sofortige Maßnahmen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Bei ±1000 Zugfahrten (ohne Rangierfahrten) kein leichtes Unterfangen. Und 100%-tige fehlerfreie Entscheidungen sind eine Utopie. Doch unsere grandiosen und tadellosen Chefs glauben an diese Utopie. Es gilt diese zu erreichen, koste es was es wolle. Fehler werden nicht geduldet, Punktum. Nulltoleranz heißt die neue Devise. Jeder Fehler wird hart bestraft.

Natürlich landen jetzt mehr Strafprozeduren beim „Conseil d’Enquête“. War es hier noch anfangs möglich mit guten Argumenten das Strafmaß herab zu setzen, so hat auch hier ein Umdenken in Richtung Nulltoleranz stattgefunden. Obschon der CORE2-Jünger gerade von seiner Roadshow, wo er den Leuten vom Wohlbefinden am Arbeitsplatz erzählt hatte, zurückgekehrt ist, scheint er seine Worte schon vergessen zu haben. Von wegen Gespräche mit den Bediensteten führen um Fehlverhalten zu vermeiden, nicht direkt strafen etc.. Dies klingt verdächtig nach Wasser predigen und Wein trinken!

Der Präsident des Conseil d’Enquête findet es also unzumutbar, dass einem Fahrdienstleiter auf dem PDL im Laufe eines Jahres (20.000 Zugfahrten ohne Rangierfahrten) zwei Fehler unterlaufen. Man bemerke, wir sprechen hier von Fällen in denen keinerlei Gefährdung des Zugverkehres bestand.

Laut D/RH gilt es Fehler zu vermeiden und Qualität zu gewährleisten, deshalb muss härter durchgegriffen werden. Würde dieser Herr seine Nulltoleranz bei sich und seinen Mitarbeitern anwenden, wäre ein akuter Personalmangel im RH vorprogrammiert. Wie lautet seine Devise zur neu geplanten Strafkultur:

Ich übergebe ihm im Namen meiner Fahrdienstleiterkollegen schon mal die rote Karte.
In diesem Zusammenhang wünsche ich meinen Kollegen viel Glück und Ausdauer in den Verhandlungen zum neuen Disziplinarrecht und zur neuen Generalorder N°10, welche derzeit statt finden! Wir werden in Kürze in einer Unterredung mit unserem GI/Direktor versuchen bestehende Missstände zu diskutieren und zu beheben. Wir sind alle pflichtbewusst und bemühen uns unseren harten, aber interessanten Job zu vollsten Zufriedenheit zu erledigen. Im Gegenzug verlangen wir, dass unsere Arbeit respektiert wird. Wir sind nicht gewillt das Benehmen verschiedener Chefs in Zukunft noch weiter hinzunehmen.

Wir wollen doch alle die, vom MODU 2.0, an uns gestellten hohen Erwartungen vollbringen.
Leider sind wir momentan nicht auf dem richtigen Weg. Und das hängt sicher nicht an der Arbeitsmoral der Fahrdienstleiter.

Jean-Paul SCHMITZ