Vom Musterschüler zum Prügelknaben

Wir schreiben das Jahr J+2 nach der ominösen Reform im öffentlichen Dienst. Zu behaupten, wir würden Licht am Ende des Tunnels sehen, wäre gelinde ausgedrückt eine Lüge. Aber blicken wir nochmals zurück:

Da war die politische Vorgabe, dem Zentralstaat eine Entschlackungskur zu verpassen. Effizienz, Produktivität und Reaktivität waren die Schlagworte, mit denen die Ressortminister die Verhandlungen mit der Staatsbeamtengewerkschaft führten.

01. Oktober 2015 – in Stein gemeißelt

Als Dienstleistungsbetrieb, welcher an das Staatswesen angegliedert ist, stand die CFL unter Druck. Schließlich war das Stichdatum auf den 01. Oktober 2015 festgelegt, gar in Stein gemeißelt. Die CFL schlüpfte flugs in die Rolle des Musterschülers. Sie änderte sogar ihre Vorgehensweise vergangener Tage ab.

Änderungen im Staatsbeamtenstatut wurden im Nachhinein – also nach der Inkraftsetzung beim Staat – von der „Commission paritaire” auf „eisenbahnisch“ übersetzt.

Im Klartext: Unser Statut wurde angepasst und gesetzlich verankert.

Doch in einem Anflug vorauseilenden Gehorsams entschied die CFL-Obrigkeit, die Gespräche zur Anpassung des Eisenbahnerstatuts parallel zu den Verhandlungen im öffentlichen Dienst zu führen. Der 01. Oktober 2015 kam und mit ihm trat die Reform bei der CFL in Kraft.

Ein hoher Preis für die Eisenbahner

Die Reform im öffentlichen Dienst ist an und für sich ein verkapptes Sparpaket der Regierung. Demnach musste das zügige Vorankommen in manchen Laufbahnen und die damit verbundene höhere Lohnmasse geschröpft werden.

Die Harmonisierung der so genannten „Avancements” in den verschiedenen Laufbahnen, konnte man als Gewerkschaft gut heißen. Sie sorgt für ein gewisses Maß an Gerechtigkeit.

Vor der Absenkung der Anfangsgehälter auf die 80-80-90-Prozent-Regelung verbunden mit einer dreijährigen Stagezeit, konnten wir als SYPROLUX nur warnen. Dass diese Ausbildungszeit bei der Laufbahnerstellung nicht angerechnet wird, ist und bleibt in unseren Augen eine schreiende Ungerechtigkeit.

Die Reform bedeutet für den Berufsstand des Eisenbahners eine deutliche Abwertung. Doch mit der Unterschrift der Verhandlungspartner, in diesem Fall des Ministers des öffentlichen Diensts und der Staatsbeamtengewerkschaft, wurde auch ein Teil unserer Zukunft besiegelt.

OG3 – Spielraum für uns Eisenbahner

Statutarische Abänderungen sind das eine, Ausführungs- und Anwendungsbestimmungen das andere. Für uns als SYPROLUX war stets klar, dass die Philosophie der Reform unter Dach und Fach gebracht werden muss. Dass die Absenkung der Anfangsgehälter, das verlangsamte Vorankommen innerhalb der Laufbahn sowie eine zukünftige Mitarbeiterbewertung alles bittere Pillen sind, die es zu schlucken gilt. Ein Abkommen ist nun mal ein Abkommen, ein Wort ein Wort.

Die Tatsache, dass eben die Ausführungs- und Anwendungsbestimmungen der Reform in unseren gewerkschaftlichen „Spielraum” gehören, war für uns als SYPROLUX ebenso klar. Mit dieser Überlegung starteten wir in die Gespräche der internen Arbeitsgruppe OG3.

Wird vorauseilender Gehorsam überboten, so wird aus dem Musterschüler, ein Prügelknabe

Als SYPROLUX wehren wir uns gegen weitere Abstriche bei unseren Kolleginnen und Kollegen. Die CFL ist und muss ein Unternehmen bleiben, in welchem die berufliche Entwicklung garantiert bleibt. Eine Bewerbung bzw. Einstellung bei der CFL, dem 4.-größten Arbeitgeber Luxemburgs, muss mehr als nur ein bloßes Eintrittsticket sein! Sie muß eine wahre Perspektive bieten.

Die Laufbahnentwicklung muss über das Laufbahnexamen (Examen de promotion) hinaus weiterhin gewährleistet bleiben. Aus diesem Grund muß es klare Regeln zu Examensfristen geben.

Falls es denn eine Hürde in einer Laufbahn geben muss, so kann diese nur der sogenannte „Poste à responsabilité particulière” sein. Dafür müssen die dazu gehörenden Postenbeschreibungen (Fiches de poste) ausgereift und klar definiert sein – so wie es die Bestimmungen des bestehenden Personalstatuts vorsehen.

Die Anforderungen in puncto Qualifikation und Verantwortung an unsere Kolleginnen und Kollegen der I- und A-Laufbahn steigen stetig.

Laufbahnentwicklung und Lohn dagegen kommen indes einer Abwertung gleich. Ohne Examen bzw. „Poste à responsabilité particulière“ wird ein künftiger Kollege der I-Laufbahn am Ende seiner Karriere zwischen 13,8 und 18,9 Prozent weniger Lohn beziehen. Ein Kollege aus der A-Laufbahn wird 15,5 Prozent einbüßen.

Als SYPROLUX sind wir daher der Auffassung, dass wir den Spielraum, über den wir im Rahmen der Generalorder N°3 verfügen, vollends ausschöpfen müssen. Planungssicherheit und eine positive Laufbahnentwicklung bilden die solide Basis für das Wohlbefinden der Mitarbeiter am Arbeitsplatz. Und dieses will die CFL-Direktion ja bekanntlich stärken!

mb